"Er lebt. Das Gefühl ist mit Worten nicht zu beschreiben."

Sonntagmorgen, 16. Juni 2019, 8 Uhr. 12 Hunde, 12 HundeführerInnen, 12 Search and Rescue-HelferInnen, 1 Drohnenpilot, 1 Experte für die Technische Ortung.

Sandra Büchel
Die Hundeführerin war bei der Vermisstensuche dabei

 

Sie alle sind aus der ganzen Schweiz angereist. Nach Alarmierung der Kantonspolizei Solothurn sind sie startklar für die Suche nach einem vermissten jungen Mann. Der Aufruf an die Bevölkerung, sogar über das Fernsehen, blieb ohne Ergebnis. Auf den Hundenasen und den Drohnen ruht nun also die ganze Hoffnung der Angehörigen, der Heimleitung und der Polizei.

Zu Zweit strömen sie aus in die 12 Suchgebiete. Werden wir die vermisste Person finden? Das Gelände ist unwegsam, die Nacht zuvor ging ein starkes Gewitter mit Regen über der Gegend nieder. Lebt der Mann noch? War er doch bei seinem Verschwinden nur spärlich bekleidet.

45 Minuten später. Ein Funkspruch fordert alle Teams auf, zur Einsatzzentrale zurückzukehren. Schon von Weitem sind die leuchtenden Augen der bereits Zurückgekehrten zu sehen. 20 Meter unterhalb des Fahrwegs, in dichtbewachsenem, abschüssigem Gelände, wurde der Vermisste aufgefunden. Von der Strasse aus nicht zu sehen. Und er lebt!

Das Gefühl bei dem Gedanken 'er lebt!' ist mit Worten nicht zu beschreiben.

Sandra Garbely, deren Hund Joubacca die Witterung des Vermissten aufnahm

«Das Gefühl bei dem Gedanken ‘er lebt!’ ist mit Worten nicht zu beschreiben». Sandra Garbely war genau in diesem Sektor unterwegs, als Joubacca im Aufwind menschliche Witterung wahrnahm und ins Dickicht schoss.

Kurze Zeit später kam der Vermisstensuchhund mit dem Bringsel im Maul zurück. Das Zeichen, dass er etwas gefunden hat. Der vermisste 34-Jährige war nicht selber in der Lage, auf sich aufmerksam zu machen. Mit leichten Verletzungen wird er ins Spital gebracht und kehrt nur wenige Zeit später ins Heim zurück. Eine weitere Nacht im Wald hätte er wohl kaum überlebt.

Es war ein guter Entschluss der Kantonspolizei Solothurn und der Angehörigen, 0844 441 144 zu wählen und REDOG zu alarmieren. «Wir haben den Entschluss, REDOG zu alarmieren, zum richtigen Zeitpunkt gefasst», sagt Urs Schmid, Chef Regionenpolizei Kanton Solothurn. Und es sei schön, dass einer Person, die er persönlich zu den schwächsten in unserer Gesellschaft zähle, geholfen, ja, vor dem Tod gerettet werden konnte.