Die Freude am Suchen bleibt für immer
Wenn im Alter die Einsätze zu anstrengend werden, treten die REDOG Such- und Rettungshunde in den Ruhestand. Doch wie verbringen sie ihren Lebensabend? Wir besuchen drei Hundeführende, die mit einem pensionierten Suchhund leben.
Reportage: Dagmar Wurzbacher
Bilder: Alessa Staufer, Esther Waltisberg, Markus Willi
Erschienen in "Humanité", dem Gönnermagazin des Schweizerischen Roten Kreuzes, Februar 2026. Mit Auszügen aus "Tierwelt" 24/2025
REDOG Such- und Rettungshunde sind Familienhunde. Treten sie in den Ruhestand, leben sie weiterhin bei ihren Familien im gewohnten Umfeld. Hunde, die ausgebildet sind, um Menschen nach Naturkatastrophen unter Trümmern zu finden, werden spätestens im Alter von zehn Jahren pensioniert. Auslandeinsätze erfordern oft eine lange Anreise und sind auch für Hunde körperlich herausfordernd. Hunde, die ihre Einsätze in der Schweiz leisten können einsatzfähig bleiben, bis sie zwölfjährig sind.
Diese Alterslimite ist ein Erfahrungswert aufgrund der Trainings und Einsatzübungen. Je älter ein Hund ist, umso mehr Zeit braucht er nach einem Einsatz, um sich zu erholen. Geländesuchhunde prüft REDOG ab dem zehnten Altersjahr jährlich. Der Test ist anstrengend. Nur Hunde, die fit sind, bestehen ihn.
Joy und Alessa Staufer
Joy ist ausgebildet, um verschüttete Menschen zu lokalisieren. Nach dem Erdbeben 2023 in der Türkei standen die Holländische Schäferhündin und REDOG Hundeführerin Alessa Staufer, 35, in Bereitschaft für die zweite Rochade. Bald wird Joy zehnjährig und pensioniert. Alessa Staufer hat sich als 27-Jährige für ein Engagement bei REDOG entschieden. «Was zählt, ist die enge Beziehung zum Hund in Verbindung mit einer sinnvollen Arbeit, die Menschen in Not hilft. Wichtig ist für mich zudem die Kollegialität bei REDOG.»
Während sie Joy ausbildete, übernahm sie Iéty, einen ehemaligen REDOG Einsatzhund. Iétys Hundeführer musste aus beruflichen Gründen die Hundehaltung aufgeben. Iéty war ein Supergenie, ein aussergewöhnlich talentierter Suchhund. «Joy hatte zwei Ausbildnerinnen», lacht Alessa Staufer. Trotzdem wird sie erst einen Nachfolgehund ausbilden, wenn Joy nicht mehr lebt. Seit zwei Jahren ist sie Übungsleiterin und gibt ihr Wissen und Know-how in der Ausbildung weiter.
Chhay und Esther Waltisberg
Eben noch döste Chhay. Wie er es dieser Tage öfters tut, der bald zwölfjährige Labrador. Als Esther Waltisberg mit der Hundeleine in seine Nähe kommt, beginnt er zu wedeln. Die Lefzen kräuseln sich, es sieht fast aus, als würde er grinsen. «Auch im Alter will Chhay in der Natur schöne gemeinsame Stunden verbringen», schmunzelt die Hundeführerin. Das war als einsatzfähiger Hund bei REDOG sieben Jahre seine Welt.
Elfmal war er nach der rund dreijährigen Ausbildung im Einsatz. Die Suche nach einem vermissten Mann bleibt Waltisberg in Erinnerung: «Die ganze Familie sowie Verwandte und Nachbarn halfen. In dieser belastenden Situation war es schön, diese Unterstützung zu erleben.» Chhay ist dabei, wenn sie mit dem einsatzfähigen Sky am wöchentlichen Training von REDOG teilnimmt. Der vierjährige Boarder Collie Sky ist ihr fünfter Rettungshund.
«Für Chhay wähle ich eher flaches, leicht zugängliches Gelände mit einem kleineren Suchradius.» «REDOG erfordert viel Zeit, ja. Doch wenn wir einer verzweifelten Familie beistehen, die einen Angehörigen vermisst, weiss ich, warum ich mich engagiere. Diese Emotionen gehen tief in die Seele», fügt sie leise an.
Billou und Markus Willi
Billou hat Arthrose in der Hüfte. Das Seh- und Hörvermögen des 15-jährigen Border Collies ist beeinträchtigt. Trotzdem ist der pensionierte Geländesuchhund immer dabei, wenn Markus Willi die REDOG Ausrüstung fürs Training packt. Er rennt hinter das Auto und steht zusammen mit Moorley, dem zweiten REDOG Hund bereit.
«Billou gehört nach wie vor zum Team. Er fühlt sich in seiner gewohnten Entourage sichtlich wohl», sagt der erfahrene Rettungshundeführer. «Es ist ein ständiges Abwägen, was möglich ist und wo es einen Gang runterzuschalten gilt. Wir nehmen jeden Tag als ein Geschenk», bilanziert Willi, der eine enge Beziehung zu seinen Hunden pflegt.
«Die Sucharbeit ist intensiv und belastend, wenn Menschen vermisst werden. Das schweisst enorm zusammen.» Billou hat dank seiner exzellenten Spürnase und seiner hohen Belastbarkeit einst viele Spuren verfolgt. Nun hinterlässt er eine tiefe Spur bei Moorley, dem mittlerweile siebenjährigen Hund, dessen Mentor und Lehrmeister er ist.






